Mittwoch, 27. November 2013

Nachwuchs in Sicht?

„Da steht ein Haus [...], ein Häuschen, kein großes Haus, doch auch kein Zelt, ein Häuschen.“ (Samuil Marschak „Das Tierhäuschen“)

Lieber Ratz, lieber Rabatz,

was treibt Ihr so bei Maja und Dumbi? (Und bei C., der der ganzen Sache aber eher skeptisch gegenübersteht.) Oder sollte ich besser fragen, wie Ihr es treibt? Bunt? Eintönig klingt das, was Maja mir schildert, jedenfalls nicht.
Bei Rabatz' und Dumbis Hochzeit am letzten Sonntag war ich ja zugegen. Da von Menschen arrangiert, die ihr Tun vorab nicht mit Euch besprochen hatten, kam die für Euch wohl viel zu überraschend, als dass Ihr erwartungsgemäß in die Euch zugedachten Rollen, die da gewesen wären Braut, Bräutigam und Trauzeuge, hättet schlüpfen können.
Aber nun, nachdem Rabatz und Dumbi – wenngleich im selben Käfig – zunächst noch in getrennten Betten geschlafen haben, sich zwar ab und an tief in die Augen schauten, fiepten, erneut fiepten, im Käfig einander hinterher jagten, dann aber wieder nur schliefen (getrennt), scheint ja alles recht schnell zu gehen...
Was entnehme ich Majas E-Mail? Ein grauer Rabatz und eine weiße Dumbi liegen zusammen im selben Haus und das Haus ist sehr klein?
Entstehen grau-weiß-gestreifte Babys? Zebra-Rättchen?
Und was sagt Ratz eigentlich zu dem Treiben der beiden anderen?
Na, Ihr werdet zu erzählen haben, wenn Ihr nach Hause kommt.
Euer Käfig in meinem Zimmer ist momentan entschieden zu leer... Eine Spinne war kurzzeitig eingezogen, ich habe sie entfernt.

Es grüßt Euch

Euer Frauchen

P.S.: Ein kleines bisschen ist es aber auch gut, dass Ihr nicht hier seid, denn ich kann von Euch unkommentiert, also ganz in Ruhe, den Adventskalender für meine Lieblingstochter basteln. Gerade eben hat mir der DHL-Bote eine vorletzte Zutat geliefert, versehen mit dem beruhigenden Hinweis, dass ich mit ihrem Erwerb nicht gegen geltendes Recht verstoßen habe.

Beweisphoto

Samstag, 23. November 2013

Diskussion ums Nest-Material

„Na, ihr zwei“, sage ich, als ich nach Hause komme, meinen Rucksack neben das Fahrrad stelle und den Käfig öffnen will, halte dann aber - das Tun der beiden Rattenböcke nicht gut heißend - einen Moment inne und frage kurz darauf: „Wieso schmeißt denn ihr die Zeitungschnipsel alle nach draußen?“ „Die sind unerträglich“, erklärt Rabatz und schaut Ratz seitlich an. „Jawohl“, bestätigt der, „daraus kann man kein kuscheliges Nest bauen, aus diesem Koalitionspoker. Unerträglich! Höhere Krankenversicherungsbeiträge, schön und gut, aber nicht zu Lasten der Arbeitgeber. Pflegereform, schön und gut, aber nicht mit Steuergeldern. Mindestlohn, schön und gut, aber nicht für alle… Die sind doch nicht ganz dicht, diese Christsozialen, Christdemokraten, Sozialdemokraten, wie sie sich nennen! Zwei Mal das Christliche, zwei Mal das Soziale und zwei Mal das Demokratische tragen sie insgesamt in ihren drei Namen! Klingt sehr vielversprechend! Und was tun sie? Oh, traue niemandem!“ Ich lege einen meiner zwei Zeigefinger senkrecht über meine Lippen und bedeute ihm damit Ruhe. „Du hast bestimmt Recht“, gebe ich voller Zynismus scheinbar klein bei. „Ich habe irgendwelches Papier geschreddert und nicht auf Zumutbarkeit geachtet. Was hättest du denn lieber? Das iranische Atomprogramm? Ertrunkene afrikanische Flüchtlinge? Die Euro-Krise? Die gescheiterte Klima-Konferenz?“ „Halt deine Kla…“, will Ratz mich auffordern, kann den Satz aber nicht beenden, weil Rabatz ihm mit den Worten „Hast du nichts Schönes zum Lesen?“ sein Mäulchen bzw. Schnäuzchen zudrückt. „Doch, selbstverständlich“, antworte ich und zeige auf die Bücherregale an den Wänden. „Ihr erwartet hoffentlich nicht, dass ich euch meine Bücher schreddere?“ Ratz befreit sein Sprechwerkzeug aus Rabatz‘ Umklammerung und gibt sich gönnerhaft: „Erwarten dürfen wir das wohl nicht, aber schön wäre es… Das heißt, eigentlich genügt es, wenn du einige Seiten herausreißt, schreddern musst du sie nicht.“ „Ratz“, stöhne ich leise, „wie gut, dass Rabatz und du ab morgen eine Woche zu Maja und Dumbi geht!“ „Zu Maja und Dumbi?“, rufen Ratz und Rabatz freudig wie aus einem Mäulchen bzw. Schnäuzchen. „Zu Maja mit den Photoapparaten und Dumbi mit dem weißen Fell?“ „Genau“, bestätige ich ihnen. „Zu Maja und Dumbi in der Wohnung mit noch viel mehr Büchern als in unserer.“

Freitag, 22. November 2013

Ratz, aufgenommen mit ST72


An der neuen Kamera lassen sich interessante Einstellungen vornehmen. Die hier verwendete - herumspielend und ausprobierend irgendwelche Knöpfe drücken - nenne ich Gemälde, gibt es allerdings laut Benutzerhandbuch nicht.

O-Ton Ratz zum Thema (leicht grummelig): „Lieber vom Leben gezeichnet als von Miriam photographiert.“

Dienstag, 19. November 2013

Traurig

„Geh schlafen“, wispert Rabatz mir durchs Käfiggitter zu, nachdem unser aller heutiger Ausflug in die Küche längst hinter uns liegt. „Du liest doch gar nicht mehr, hältst das Buch nur noch fest.“ „Ich bin nicht müde“, erwidere ich. „Dann lies“, sagt er. „Kann nicht“, seufze ich, „bin traurig.“ Ratz horcht auf: „Was ist denn passiert?“ „Jede Menge. Lies doch selber Zeitung!“, werde ich grantig. „Sei nicht so garstig!“, schimpft er. „Ich will wissen, warum du traurig bist.“ „Und ich auch“, beeilt sich Rabatz hinzuzufügen. Ich öffne den Käfig, die beiden springen in meine Arme, Rabatz knabbert ein wenig an dem Gipsverband, in dem der linke steckt, und fragt: „Ist es deshalb?“ „Quatsch!“, antworte ich. Zwei Ratten schauen mich aus vier Augen fragend an. „Mein Lieblings-Klient liegt im Krankenhaus“, flüstere ich. „Das ist doch aber nicht deine Schuld“, versuchen Ratz und Rabatz mich wie aus einem Mäulchen bzw. Schnäuzchen zu trösten. „Natürlich nicht“, pflichte ich ihnen bei, „aber lasst mich bitte trotzdem traurig sein.“ Zwei Ratten schmiegen ihre Köpfchen an meine Schulter.

Sonntag, 17. November 2013

Das Warten hat ein Ende

Speicherkarte Nr. 2 wurde zugestellt und passt in die neue Kamera. Nun müssen sich alle noch miteinander anfreunden, die Kamera und die Ratten, die Kamera und ich.




O-Ton Ratz zum Thema (sehr beleidigt auf Rabatz deutend): „Das ist wieder einmal typisch! Unscharfe Nokia-Bilder machst du von mir, scharfe Samsung-Photos von dem da.“ 

Im Unrecht ist er, denn ich konnte ihn nicht photographieren, obwohl ich wollte, er hatte sich verkrochen.

Mittwoch, 13. November 2013

Warten

Warten auf die Zusendung einer Micro-SD, denn die erworbene SD ohne Micro erwies sich als Fehlkauf, passt nicht in den Micro-Steckplatz der neuen Kamera und ohne passende Speicherkarte ist kein Ausprobieren möglich, ob mit der neuen Kamera bessere Fotos als mit der im alten Nokia-Handy gelingen...


Warten, warten, warten...

O-Ton Ratz zum Thema: „Ich finde, ich bin auch unscharf hübsch.“

Recht hat er.

Streit mit anschließendem Nicht-mehr-Streit

„Sagt mal, habt ihr nicht mehr alle Tassen im Schrank, Rad ab, Schraube locker, Verstand verloren!“, schimpfe ich, als ich nach Hause kommend meinen Rucksack neben das Fahrrad stelle und zum Rattenkäfig gehe, aus dem ohrenbetäubendes Gezeter dringt. „Warum macht ihr derart entsetzlichen Krach und - vor allem - warum wedelt ihr die halbe Ladung Käfigstreu durchs Gitter nach draußen?!“ „Das sind immer so Fragen!!!“, kreischt Ratz, „ich hoffe, du meinst die rhetorisch und erwartest keine Antworten!“ „Doch, eigentlich schon!“, brülle ich. „Was!“ schreit Ratz, „wir müssen uns hier um die letzte Nuss zanken und dabei auch noch aufpassen, dass wir nicht in die Kacke des jeweils anderen treten, weil du uns ewig nicht Futter gibst und nur mal so gelegentlich hin und wieder den Käfig säuberst, und dann willst du auch noch Antworten?! Ausgerechnet du?!“ Erschöpft lasse ich mich in den Sessel fallen und sage: „Also Futter bekommt ihr heute noch, aber Käfig-Putzen ist erst morgen wieder dran.“ „Das kann doch nicht dein Ernst sein!“, plärrt Ratz. „Doch, doch“, erwidere ich, „und wenn du nicht gleich Ruhe gibst, gibt’s heute nicht nur keine neue Einstreu, sondern auch keinen Spaziergang in die Küche.“ Ratz, der gerade noch etwas ausposaunen wollte, verstummt, lässt aber vor Entsetzen sein Mäulchen bzw. Schnäuzchen offen. „Ich bin müde“, sage ich, „und heute erledige ich nur noch eines, und zwar euch Futter zu geben.“ Ich öffne den Käfig, Rabatz kommt zu mir kuscheln und wispert: „Unser Futter suchen wir uns in der Küche alleine. Du musst nur eines tun, nämlich den Käfig putzen.“ „Käfig-Putzen“, entgegne ich, „ist nicht eines, das sind dreizehn:

01. Von oben nach unten von allen Zwischenetagen und aus dem Sputnik systematisch alle Essenreste und, was ihr sonst noch so hinterlasst, nach unten in die Käfigschale fegen,

02. die Zwischenetagen und den Sputnik auswischen,

03. das obere Käfigteil abheben,

04. das untere Käfigteil abheben,

05. euer Versteckhaus aus Duplo-Bausteinen vorsichtig, damit es nicht auseinanderfällt, aus der Käfigschale heben,

06. die verdreckte Streu und die nasse Zeitung, getrennt nach Papier- und Hausmüll, entsorgen,

07. die Käfigschale auswischen,

08. die Käfigschale mit neuem Papier auslegen und frische Streu einfüllen,

09. das Duplo-Haus wieder hineinstellen,

10. das untere Käfigteil aufsetzen,

11. das obere Käfigteil aufsetzen,

12. geschreddertes oder sonst irgendwie in kleine Stücke gerissenes Papier und Stofffetzen in den Käfig werfen,

13. diverses daneben Gefallenes vom Fußboden aufsaugen.“

„Aber“, und Rabatz schaut mich herzerweichend an, „hast du uns lieb oder hast du uns lieb?“ „Na, das nenne ich Suggestivfrage!“, antworte ich. „Doppelte Suggestion! Natürlich habe ich euch lieb.“ „Gut“, atmet er erleichtert auf, „du schaffst also dreizehn. Und falls doch nicht, zur Not kannst du ja den letzten Arbeitsschritt weglassen.“ Ich gebe mich geschlagen und scheuche Ratz, der noch immer mit offenem Mäulchen bzw. Schnäuzchen im Käfig hockt, mit den Worten „Kannst jetzt wieder zu machen“ dort weg. In der Küche trifft er auf Rabatz und beide finden reichlich Nahrung, sodass sie nicht mehr streiten müssen.