Mittwoch, 5. Juli 2017

Abendstille

„Du veröffentlichst schon seit längerer Zeit unsere Gespräche nicht mehr“, stellt Knut unvermittelt fest, als ich ihn während des abendlichen Putzens des Käfigs vorsichtig beiseite schiebe, um auch dort wischen, wedeln, wegräumen zu können, wo er gerade eben noch saß, und schließt die Frage an: „Warum eigentlich nicht?“ „Och“, antworte ich, „es ist mir einfach zu viel geworden. Die Menge an Text, die ihr produziert, kann kein Mensch aufschreiben.“ „Wir produzieren nicht schnöden Text, wir diskutieren unsere Meinungen zu existentiellen Themen“, protestiert Hinz, sich in das Gespräch mischend. Kunz indes schlägt pragmatisch vor: „Triff doch eine Auswahl und stelle nur das Wesentliche ins Blog.“ Knut und Hinz nicken zustimmend. Ich aber habe heute ein bisschen schlechte Laune und kontere: „Trefft doch selbst die Auswahl und sprecht das Unwesentliche gar nicht erst.“ Einen Augenblick lang sieht es dann so aus, als wollten alle drei gemeinsam einen Schrei des beleidigten Entsetzens ausstoßen, denn sie reißen gleichzeitig ihre Mäulchen bzw. Schnäuzchen weit auf. Jedoch ertönt nichts für Menschenohren Hörbares. Vielmehr verharren sie so, geben mit dieser Visualisierung der Sprache, die es ihnen verschlagen hat, ein sehr beeindruckendes Bild ab und Ruhe.

Kommentare:

  1. Es grüßen die 10 aus Pankow :-). Ruft doch mal an :-). Mit uns könnt ihr euch aussprechen - so lange ihr wollt.

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  2. Knut, Hinz und Kunz (wie aus einem Mäulchen bzw. Schnäuzchen): Und du, liebe Maja, schreibst dann mit und stellst ins Blog?

    Knut (gönnerhaft): Kannst ja deines nehmen.

    Kunz (belehrend, erläuternd): Miri ist nämlich manchmal etwas garstig.

    Hinz (leicht verschnupft - im übertragenen Sinne): Ja, wahrscheinlich erteilt sie dir nicht die Zugangsberechtigung zu ihrem.

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